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Christian Harder ist 25 und hört als Autodidaktor nur auf sein eigenes Kommando. Denn seit Pink Floyd ihn in jungen Jahren auf das richtige Gleis gesetzt haben, hat er sich so ziemlich alles selbst beigebracht, und sei es nur, in gewissen Momenten gut hinzuhören, Inspiration in Aufgaben zu bannen, auszuprobieren. Dabei ist er schon früh auf den Hund gekommen. Als er 1999 aus der westfälischen Provinz nach Hamburg zieht, landet er ohne große Umwege im Golden Pudel Klub, fortan so etwas wie seine Alma Mater in Musikfragen und Alkoholismus. Ohne schuldhaftes Zögern erspielt sich Harder, damals nannte er sich noch Kandisquer, samt seinem Homecomputer mit diversen Konzerten eine rasch wachsende und treue Fangemeinde, verschenkt seine Musik als MP3s mit beachtlichen Downloadzahlen auf seiner Website. Schon bald werden verschiedene Musikunternehmungen auf ihn aufmerksam. Unter den Decknamen Kandisquer, The Hypnotoad und Kid Quesran veröffentlicht Harder auf Labels wie Blaou, Lado oder Enduro. Im Jahr 2003 steigt er als Kid Q mit dem kickenden Earth&Fire-Bootleg "This Feeling" in die Dancecharts-Hölle hinab, um binnen kürzester Zeit erste Schmisse im sogenannten Musikbusiness zu verdienen. Viel lieber arbeitet Harder mit Gesinnungsgenossen, ist Produzent für Mediengruppe Telekommander, mit denen er bislang an zwei EPs und dem neuen Album "Die ganze Kraft einer Kultur" gearbeitet hat, macht Remixe für Gladys Garcia, Chelo Scotti, Swayzak, Pink Grease und natürlich für die Mediengruppe. Doch jetzt geht seine Geschichte höchstpersönlich weiter. Denn für sein Debüt-Album "Goodbye Monkey Gravity" lupft Christian Harder seine Schädeldecke zum Gruße und wer will, kann hier auf dem Schlitten seiner Gedanken Achterbahn in den Gehirnwindungen fahren. Tanzen geht unbedingt klar, ebenso driften, grinden, sliden entlang dieser elastischen Bassläufe, die wie eine Wirbelsäule seiner Musik zum aufrechten Gang verhelfen. Die Poptronika-Strecke führt querfeldein, vorbei an befestigten Wegen. Im Techno-Song liegt eine Lichtung mit Refrain,
wo Töne wachsen wie bizarre Blumen. Aus
Wirrnis wird affirmativer Beat, ein Arrangement
zur Weitergabe von Emotion und Zustand. Es
klingt schön, ohne gefällig zu sein, garstig,
aber nie gemein. Was an Vertracktheit
Ungewissheit schafft, wenn die Gedankenschmiere
anfängt den Ausgang zu verkleben,
packt Harder in Strophen und Refrains,
Melodien und Strukturen, malt damit Umrisse
von Tanzschritten auf den Boden, schafft
Bewegungssicherheit.
Harder weiß um seine Verdammnis, als Mensch
zum Fehler zu neigen, er kennt die Tücken der
Wahrnehmung und durchschaut die beschränkte
Gültigkeit von Attitüde und
Emotionen. Eingestöpselt an Computer, Gitarre
und Mikro wird Harder zum Erroristen,
kundschaftet Lügengebäude, Fehlkonstruktionen
und doppelte Böden aus, projiziert
ein Bild aus effektvoll zusammengefügten
Klangklötzchen in die Lücken der Zukunftsamnesie.
Harder setzt auf Eskapismus als
Ausbruch aus der Doppelmoral, macht den
Moment der inneren Einstellung tanzbar.
In dieser Hinsicht bleibt auch der poetische
Opener “Musik für unsere Kinder" die
träumerische Ausnahme. Kitschige Liebeserklärungen
wie in "Every Moment" entpuppen
sich als vergangener Glücksmoment, wenn die
Stimme aus der Zukunft echot: "I remember
my time with you". "This World is Full of Beauty"
aber nur mit geschlossenen Augen, der
Kapitalismus ist ein Geschwür, Liebe ein Virus,
der Mensch gefangen in der Schwerkraft des
Gelernten. Harder hantiert mit schwarzer
Materie aus Augenringen und macht damit,
was er am besten kann: Sound. |
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