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"Black Earth". Absolute Dunkelheit. Flächen aus gefrorenem Entsetzen schleichen durch die Nacht. Mit jedem zerdehnten Wumms von Besen und Kontrabass vergrößern sich die Risse des brüchigen Kellerbodens. Vielleicht fanden hier früher mal flotte Tanzpartys statt, vielleicht erschlug an eben dieser Stelle ein angetrunkener Büdchenbesitzer seine Frau mit einem Briefmarkenalbum. Wer weiß schon, woher der Schmutz der dunkelroten Flecken stammt? Bohren und der Club Of Gore nähren sich mit jeder CD weiter dem Endzustand der Welt. Es ist nirgendwo verzeichnet, wie sich Morten Gass, Thorsten Benning, Robin Rodenberg und anfangs noch Reiner einst in Mülheim an der Ruhr aufmachten, die eigene Vergangenheit als Hardcore-Legende 7 Inch Boots zu Grabe zu tragen, und wie sie begannen, die Grenzen von Zeit und endloser Finsternis auszuloten. Vielleicht trafen sie sich eines Nachts im Schatten der Bäume unter einem wolkenverhangen Totenmond. Vielleicht trug ein aufkommender Sturm das Geheul der Wölfe oder das Rauschen schwarzer Schwingen mit sich. Dies ist die Zwielicht-Zone des Bohren-Mysteriums, wo Halbwissen und Hörensagen die Kraft des dunklen Geheimnisses stärken. Das dunkle Geheimnis: Wurden auf ihrem launischen Debut-Knüller "Gore Motel" noch ein paar versprengt herumlungernde Filmzitate ohne viel Gekröse in den Schatten gezerrt, so gab sich schon der monolithische Jahrhundert-Nachschlepper "Midnight Radio"selbst für eine 140 Minuten lange Doppel-CD äußerst schweigsam. Nachtschwarzen Autofahrten laden nicht zum Reden ein. Und wer weiß, vielleicht ist die Knarre im Handschuhfach ja doch geladen. Dann kam "Sunset Mission", die elegante Version einer Hölle aus roten Samtvorhängen und tückischen Sickergruben. Sie nannten es "Horrorjazz". Christoph Clösers neu hinzugestoßenes Saxophon verlieh Bohrens Treibsand des "finsteren Mainstreams" einen trügerischen Oberflächenglanz. Das auf den Oberhausener Kurzfilmtagen mit den MuVi-Award ausgezeichnete"Prowler"-Video von Mark Sikora vertiefte das dunkle Geheimnis und tauchte den Bildschirm in ein Meer aus peitschenden Lichtblitzen und alles verschlingender Schwärze. Auf der anschließenden "Dark Victory"-Tour erweiterten Bohren ihr Arsenal des Entsetzens um Ketten, die im Halbdunkel wie Fleischerhaken von der Decke baumelten. Der kalte Atem wehte. Und jetzt "Black Earth". Morten: "Ziel war es, eine leise Heavyness zu kreieren, die so sonst nur mit verzerrten Gitrarren und viel Lärm zu erreichen ist." "Black Earth" - Das dunkle Geheimnis des Horrorjazz. Bohrens Reise in die Finsternis hat ihren bislang dichtesten Parkplatz am Fegefeuer gefunden. Die Farbpartikel von einst sind nun endgültig zu Staub zermahlen. Keine Mätzchen, kein Pardon. Ein fast ausschließlich mit dem Besen vorwärts kriechendes Schlagzeug. Der bohren-typische Kontra-Bass, heruntergestimmt in doomigste Tiefen. Dazu Fender Rhodes, Saxophon und Melotron. Für den Film im Kopf und das Messer im Rücken. Die verschiedenen Parallelwelten des Bohren-Universums fliessen zusammen in einen einzigen verführerischem Strom aus schwärzestem Samt. Bohren werfen den Zuhörer auf den Schrecken der eigenen Vorstellungskraft zurück. Verchromte Knochenlampen stöbern in scharlachroten Schatten. Es-das-nicht-genanntwerden-will. Die Brücke zwischen Black Sabbath, Autopsy und dem Lächeln von Sade. Das Wissen um die dunkle Seite der Popkultur. Reduziert, abstrahiert. Gegossen in zeitlose Formen. Konserviert für die Ewigkeit. In ihren Anfangstagen brannten sie mit dem gleissende Licht des Stroboskops ihre Silhoutten auf die Retina des Publikums. Jetzt bleibt der Schalter aus und die Sinne müssen sich an die neue, unfaßbare Dunkelheit gewöhnen. Die Zeit ist auf ihrer Seite. |
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